Webervögel Gebrüder Krafft · Fahrnau
Eine kleine digitale Ausstellung

Webervögel
aus Leder

Auch Pickers oder Schützentreiber genannt: ein wenig bekanntes Spezialprodukt der Gebrüder Krafft aus Fahrnau und ein wichtiges Bauteil mechanischer Webstühle.

Originale von 1913 entdecken
Historische Modellübersicht der Webervögel im Krafft-Katalog von 1913
Originalabbildungen aus der Krafft-Preisliste von 1913
Geschichte

Ein Lederprodukt für die Weberei

Mechanische Webstühle benötigten Bauteile, die wiederholten Schlägen standhielten. Der Webervogel übertrug den Impuls des Schlagwerks auf den Webschützen. Gebrüder Krafft entwickelte dafür eine eigene Fertigung.

1860er-JahreNach der Krafft-Jubiläumsschrift begannen Anfang der 1860er-Jahre Versuche zur Herstellung nach englischem Vorbild.
EnglandDie ersten eigenen Hilfsmaschinen bewährten sich nicht. Krafft bezog Geräte aus England und zog einen englischen Fachmann hinzu.
1913Der erhaltene Firmenkatalog zeigt zahlreiche Ausführungen von Webervögeln sowie Schoner und Puffer.
Eine ungewöhnliche Vertriebsgeschichte

Aus Fahrnau – als englische Ware verkauft

Die Jubiläumsschrift berichtet, dass Kunden zunächst englische Webervögel bevorzugten und die Erzeugnisse von Krafft ablehnten. Ein Händler verkaufte die Fahrnauer Produkte daraufhin als englische Ware.

Als Krafft später den Direktvertrieb übernahm, musste das Unternehmen den Abnehmern erst erklären, dass die bisher vermeintlich englischen Produkte tatsächlich aus Fahrnau stammten. Der Absatz entwickelte sich laut Unternehmensdarstellung anschliessend positiv.

Diese Darstellung stammt aus der rückblickenden Jubiläumsschrift des Unternehmens von 1929. Sie ist eine wertvolle historische Quelle, aber keine unabhängige Bestätigung jedes geschilderten Vorgangs.

Ein kleines Lederbauteil erzählt von Techniktransfer, Qualitätsvorstellungen und dem Wettbewerb zwischen deutscher und englischer Industrie.

Material und Fertigung

Von der Büffelhaut zum Webervogel

Für die Webervögelfabrikation verwendete Krafft laut Jubiläumsschrift Büffelhäute. Diese wurden gekälkt, enthaart und anschliessend getrocknet. Zunächst übernahm eine benachbarte Gerberei diese Vorarbeiten, später erfolgten sie im eigenen Betrieb.

Die historische Darstellung nennt die Entwicklung von Handpressen zu mechanischen Pressen. Bereits die unterschiedlichen Modelle im Katalog zeigen, dass die Bauteile auf verschiedene Webstuhltypen abgestimmt waren.

Webervögel sind nicht mit Schlagriemen zu verwechseln: Beide wurden an Webmaschinen eingesetzt, erfüllten aber unterschiedliche Aufgaben.

Das Wiesental als industrielles Umfeld

Fahrnau lag in einer Region mit bedeutender Textilindustrie. Die Herstellung solcher Verschleissteile bei Krafft zeigt eine technische Verbindung zwischen Lederverarbeitung und mechanischer Weberei.

Welche konkreten Webereien im Wiesental Krafft beliefert hat, ist durch die hier gezeigten Quellen noch nicht nachgewiesen.

Originalquelle · 1913

Die Webervögel im Krafft-Katalog

Die Preis-Liste für technische Leder und Lederwaren enthält eine eigene Rubrik „Webervögel (Schützentreiber – Pickers)“. Die folgenden Abbildungen stammen unmittelbar aus dem erhaltenen Original.

Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern. Die Katalogseiten wurden aus dem historischen Originalscan ausgeschnitten, nicht künstlich rekonstruiert.

Dokumentation

Quellen und Einordnung

Gebrüder Krafft, Fahrnau: Preis-Liste für technische Leder und Lederwaren, Ausgabe 1913.Gedruckte Seiten 24–26: „Webervögel (Schützentreiber – Pickers)“, Modellübersichten und verwandte Bauteile. Abbildungen aus dem historischen Katalogscan.
Gebrüder Krafft: Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen, 1854–1929.Abschnitt „Webervögelfabrikation (Pickers)“: erste Versuche, englische Maschinen, Vertriebsgeschichte und Verarbeitung der Büffelhäute.
Forschungsstand: Eine genaue Produktionsmenge, einzelne Abnehmer im Wiesental und die Herstellung bei anderen regionalen Betrieben sind bislang nicht belegt. Die Seite dokumentiert die nachweisbaren Angaben und bleibt offen für weitere historische Quellen.